Initiative zum Gedenken an den Wohnungslosen Günter Schwannecke gegründet

Veröffentlicht am 26.07.2012 in Allgemein

An ein unbeachtetes und vergessenes Opfer von Gewalt gegen Ausgegrenzte will die Günter-Schwannecke-Gedenkinitative erinnern, die sich am 9. Juli 2012 in Berlin-Charlottenburg gebildet hat. Am 29. August 2012, dem 20. Jahrestag der Ermordung des wohnungslosen Günter Schwannecke, will die Initiative am Ort dieses Verbrechens ein öffentliches Gedenken veranstalten und eine provisorische Informationstafel anbringen. Die Günter-Schwannecke-Gedenkinitative möchte damit eine Informationsoffensive starten, um diesen Fall aufzuarbeiten und ihn dem öffentlichen Vergessen zu entziehen.

Günter Schwannecke war am 29. August 1992 von einem Neonazi in
Charlottenburg erschlagen worden. Mit einem anderen Wohnungslosen, Hagen K., saß er abends auf der Bank eines Spielplatzes an der
Pestalozzi-/Fritschestraße. Die beiden Neonazis Norman Zühlke und
Hendrik Jähn, damals in der rechtsextremen Szene aktiv, kamen hinzu, um
ebenfalls dort sitzende Menschen mit Migrationsgeschichte rassistisch zu
beleidigen und zu vertreiben. Günter Schwannecke und Hagen K. bewiesen Zivilcourage und mischten sich ein. Nachdem die ursprünglichen Opfer der beiden Angreifer flüchten konnten, richtete sich ihre Wut gegen die beiden Wohnungslosen. Zühlke schlug mit einem Baseballschläger auf die beiden ein. Hagen K. wurde nach schwerem Hirntrauma im Krankenhaus gerettet, doch Günter Schwannecke starb am 5. September 1992 an den Folgen von Schädelbruch und Hirnblutungen.

Norman Zühlke wurde 1993 wegen Körperverletzung mit Todesfolge und
schwerer Körperverletzung zu 6 Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt.
Das Landgericht Berlin hob hervor, dass seine rassistische Gesinnung
ursächlich für die Tat gewesen ist.

Dieser Fall war in der Statistik der Bundesregierung über Opfer rechter
Gewalt von 1993 aufgeführt, 1999 und 2009 aber nicht mehr. Das Land
Berlin zählte den Fall 2012 ebenfalls nicht.

Beteiligt an der Günter-Schwannecke-Gedenkinitative – Niemand ist
vergessen! sind bisher: AK Marginalisierte gestern & heute,
Antifaschistische Linke Jugend, Die Linke, Informationsdienst Blick nach
rechts bnr.de, Kinder- und Jugendzentrum Schloss19, Jusos, SPD,
Ökumenische Zentrum für Umwelt-, Friedens- und Eine-Welt-Arbeit, VVN-BdA.

Weitere Interessierte sind zum zweiten Treffen der Initiative am 30.
Juli 2012 um 19.30 im Schloss19 (angefr.) willkommen und können sich
auch gern per E-Mail melden.

Kontakt
Günter-Schwannecke-Gedenkinitative
Web: http://guenterschwannecke.blogsport.eu/
E-Mail: guenter.schwannecke.gedenkinitiative@riseup.net

 
 

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